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Gemeint ist der Käufer: „Banksy – A Vandal Turned Idol“ im Kleisteck

von Florian Jäger

Gemeint ist der Käufer: „Banksy – A Vandal Turned Idol“ im Kleisteck

Drei Banksy-Motive an einer dunklen Wand, rechts „Christ with Shopping Bags“, im Kleisteck Berlin. Foto: Florian Jäger, 20. Januar 2024

Ein Auktionator zeigt mit ausgestrecktem Arm auf ein gerahmtes Bild, vor ihm sitzen die Bieter in Reihen, und auf der Leinwand, die versteigert wird, steht: „I can't believe you morons actually buy this shit“. Banksys Siebdruck „Morons“ von 2007 hängt in der Ausstellung „Banksy – A Vandal Turned Idol“ im Berliner Kleisteck, und er beschreibt die Schau, in der er hängt, besser als jeder Wandtext.

Die Ausstellung ist nicht autorisiert. Laut Veranstalter, dem Concertbüro Zahlmann, kamen 18 Originale und 43 Drucke aus Privatsammlungen, dazu Arbeiten anderer Künstler wie Andy Warhol, eine VR-Station und ein Medienraum. Die Sammlung war vorher in Madrid, Mailand, Lissabon, Las Vegas und Osaka zu sehen, Berlin war die deutsche Premiere.

Am Eingang steht der Titel in roten Buchstaben über einem Affen mit Kopfhörern. Drinnen sind die Wände dunkel, die Blätter einzeln angestrahlt. An einer Wand hängen drei Motive nebeneinander: eine Madonna mit Kind, Trauernde, die vor einem Schild „SALE ENDS TODAY“ knien, und Christus am Kreuz, der statt Nägeln Einkaufstüten in den Händen hält. Die Reihe ist gut gewählt, weil alle drei Bilder christliche Andacht auf den Konsum umlenken.

„Monkey Queen“ zeigt die Königin als Schimpansen vor der rot-weiß-blauen Kokarde. Im Kleisteck steckt das Blatt in einem schwarzen, verschnörkelten Rahmen, wie man ihn um ein Ahnenbild erwartet. Der Rahmen gehört nicht zum Werk, er gehört zur Ausstellung, und er macht aus einem Spottbild ein Andachtsstück. So geht es durch die Räume: Banksys Witze über Ehrfurcht werden mit Ehrfurcht präsentiert.

Als Überblick taugt die Schau. Die bekannten Motive sind da, gut gehängt und gut lesbar, und wer Banksy nur aus dem Netz kennt, sieht hier, wie sauber diese Siebdrucke gemacht sind. Als Ausstellung hat sie aber keine Haltung zu ihrem eigenen Widerspruch. Sie stellt Bilder gegen den Kunstmarkt aus Privatsammlungen aus und verkauft dafür Eintritt.

Im letzten Raum hält eine Ratte ein Schild hoch: „Get Out While You Can“. Man kann es als Hinweis auf den Ausgang lesen.

„Banksy – A Vandal Turned Idol“ war bis 16. Juni 2024 im Kleisteck, Martin-Luther-Straße 1A, Berlin, zu sehen.

Impressionen

Der Ausstellungstitel am Eingang über einem Affen mit Kopfhörern, daneben ein QR-Code
Der Ausstellungstitel am Eingang über einem Affen mit Kopfhörern, daneben ein QR-Code
Banksy, „Morons“, 2007, Siebdruck mit Auktionsszene
Banksy, „Morons“, 2007, Siebdruck mit Auktionsszene
Banksy, „Monkey Queen“, im schwarzen Zierrahmen
Banksy, „Monkey Queen“, im schwarzen Zierrahmen
Banksy, „Get Out While You Can“, Ratte mit Schild
Banksy, „Get Out While You Can“, Ratte mit Schild