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Veröffentlicht am 26. August 2026

Chinesischer Kunstpalast. Frühstück durch die Klappe

von Florian Jäger

Chinesischer Kunstpalast. Frühstück durch die Klappe

Der ehemalige China-Pavillon der Expo 2010, heute Chinesischer Kunstpalast. Foto: Florian Jäger, 26. August 2026

Von unten sieht der Bau aus, als hätte jemand eine Krone verkehrt herum abgestellt. Rot, gestuft, weit auskragend, dreiundsechzig Meter hoch. Es ist der chinesische Pavillon der Expo 2010, das höchste Bauwerk auf dem damaligen Gelände, entworfen von He Jingtang von der South China University of Technology. Die Auskragungen leitete er aus dem Dougong ab, dem hölzernen Konsolensystem der traditionellen chinesischen Architektur. Siebzehn Millionen Menschen gingen während der Weltausstellung hindurch.

Expo-Pavillons werden für sechs Monate gebaut und danach meistens abgerissen. Dieser nicht. Im November 2011 beschloss die Stadt, das Kunstmuseum hier unterzubringen, und seit dem 1. Oktober 2012 heißt das Haus Chinesischer Kunstpalast. Vierundsechzigtausend Quadratmeter, über vierzehntausend Werke, Schwerpunkt chinesische Moderne. Das Gebäude ist größer als das, was es zeigt, und auf den Gängen merkt man das.

Der Grund, trotzdem hinzufahren, hängt im Obergeschoss und ist zwei Jahre alt. Xie Wenjin, Öl auf Leinwand, 2024, hundertdreißig auf zweihundertfünfunddreißig Zentimeter. Links eine Shanghaier Frühstücksbude im Betrieb, sechs Angestellte in weißen Kitteln, Papierhauben und Mundschutz, Bambuskörbe mit Baozi, ein Teller Youtiao, darüber die abfotografierten Menütafeln. Rechts, durch eine blaue Wand abgetrennt, ein Abholschrank mit nummerierten Klappen, aus dem eine Frau ihre Tüte nimmt.

Es ist Genremalerei im ältesten Sinn und beschreibt etwas sehr Neues. Dieselbe Mahlzeit, einmal über den Tresen und einmal durch eine Klappe. Die Frau steht mit dem Rücken zu den sechs Leuten, die ihr Essen gemacht haben, sie sind im selben Raum und haben nichts mehr miteinander zu tun. Wer wissen will, was aus dem Realismus wird, wenn die Wirklichkeit digital wird, bekommt hier eine Antwort, und zwar eine ohne Klage.

Ein Gang weiter hängt die Hausgeschichte an der Wand, sechzig oder siebzig Ausstellungsplakate nebeneinander, ganz überwiegend rot. Jubiläumsschauen, Nachwuchsformate, klassische Malerei, eine Architekturausstellung. Es ist die ehrlichste Selbstdarstellung im Haus, weil sie den Betrieb zeigt und nicht den Anspruch. Der Pavillon war für ein halbes Jahr geplant und steht jetzt im siebzehnten.

Impressionen

Chinesischer Kunstpalast. Frühstück durch die Klappe - 1
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