Veröffentlicht am 23. Januar 2026
Close Enough & After Nature Prize 25
von Florian Jäger

Das Amerika Haus in Berlin-Charlottenburg, seit 2014 Sitz von C/O Berlin. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Drei Ausstellungen liefen bei C/O Berlin unter einem Ticket, fünf Tage vor Ende der Laufzeit. Den Rahmen bildete das 25-jährige Bestehen des Hauses, das 2000 im Postfuhramt begann und seit 2014 im Amerika Haus residiert.
Close Enough versammelt zwölf Fotografinnen von Magnum Photos: Olivia Arthur, Myriam Boulos, Sabiha Çimen, Bieke Depoorter, Carolyn Drake, Nanna Heitmann, Susan Meiselas, Cristina de Middel, Hannah Price, Lúa Ribeira, Alessandra Sanguinetti und Newsha Tavakolian. Die Ausstellung ging von den Fotografinnen selbst aus, wurde 2022 am International Center of Photography in New York von Charlotte Cotton kuratiert und für Berlin von Boaz Levin adaptiert. Anlass war ursprünglich das 75-jährige Bestehen von Magnum, in Berlin traf es auf das eigene Jubiläum — 25 Jahre nach jener Magnum-Ausstellung, mit der C/O Berlin im Jahr 2000 eröffnete.
Der Titel zitiert Robert Capa: Wenn die Bilder nicht gut genug seien, sei man nicht nah genug dran. Die Ausstellung übernimmt den Satz und stellt ihn zugleich infrage. Nähe erscheint hier nicht als räumliche Distanz zum Geschehen, sondern als Vertrauen, Komplizenschaft, Verbindung. Kuratorisch bleibt jede Arbeit bei ihrer eigenen Sprache; es gibt keine übergeordnete These, der die Positionen zuarbeiten müssten.
Das zeigt sich an der Spannweite. Alessandra Sanguinetti lernte Guille und Belinda 1998 kennen, drei Stunden südlich von Buenos Aires; die beiden waren damals neun. Sabiha Çimen dokumentiert in dreißig Aufnahmen eine türkische Koranschule für Mädchen. Hannah Price porträtiert Männer, die ihr auf der Straße nachgerufen hatten und die sie daraufhin ansprach. Cristina de Middel sammelt in zehn Städten Zeugnisse von 99 Männern und einer Frau, die Sexarbeit in Anspruch nehmen. Bieke Depoorter bat Menschen, denen sie in Ägypten zufällig begegnete, ihre Sicht direkt auf die Bilder ihres Buchentwurfs zu schreiben. Nanna Heitmann legt zwei Langzeitprojekte zu Russland auf die beiden Seiten eines Leporellos. Susan Meiselas verfolgt über Jahrzehnte, wie die Dani im Baliem-Tal in Papua fotografisch dargestellt wurden — eine Arbeit, die in New York noch nicht zu sehen war.
Parallel dazu zeigt das Haus die beiden Preisträgerinnen des After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 2025, kuratiert von Katharina Täschner. Der Preis wird seit 2024 gemeinsam mit der Crespo Foundation vergeben, ist mit 40.000 Euro je Position dotiert und kann nicht aus eigenem Antrieb beworben werden: ein Gremium nominiert und lädt zur Bewerbung ein.
Lisa Barnard geht in You Only Look Once vom Prinzip der Echoortung aus und von Thomas Nagels Frage, wie es sei, eine Fledermaus zu sein. Räumlicher Anker ist der Salton Sea in Südkalifornien: militärisches Testgelände im Zweiten Weltkrieg, heute Gegenstand von Lithiumgewinnung und technologischen Heilsversprechen. Der Titel ist der Name eines realen Objekterkennungs-Algorithmus. Fotografien treffen auf eine immersive Videoinstallation, Archiveingriffe und KI-gestützte Bildanalysen.
Isadora Romero untersucht in Notes on How to Build a Forest zwei ecuadorianische Nebelwälder in drei Abschnitten, darunter das Biosphärenreservat Chocó Andino de Pichincha. Neben dokumentarischen Aufnahmen stehen Experimente mit Pflanzen und Textilien, Bilder aus Familienarchiven, die sich durch die Feuchtigkeit des Waldes verändert haben, sowie Infrarot- und UV-Aufnahmen als Annäherung an die Wahrnehmung der Waldfauna. Es geht um weitergegebenes Wissen, auch das der Yumbo und Jama Coaque, und um einen Blick auf den Wald, der ihn weder auf Abholzung noch auf Kohlenstoffspeicher noch auf die westliche Vorstellung unberührter Natur verkürzt.