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Grace Weaver. Parataxis

von Florian Jäger

Grace Weaver. Parataxis

Grace Weaver, „Parataxis“, bei Soy Capitán. Foto: Florian Jäger, 13. September 2026

Sonntag, 13. September 2026, letzter Tag der Berlin Art Week. In der Lindenstraße 34 hängt bei Soy Capitán seit dem 4. September „Parataxis“ von Grace Weaver, bis zum 24. Oktober. Laut dem Begleittext, der am Tresen auslag, zeigen Soy Capitán und die Galerie Max Hetzler die Ausstellung gemeinsam in ihren Berliner Räumen; Hetzler sitzt in der Bleibtreustraße 45, quer durch die Stadt.

Der Raum ist ein weißer Kubus, der seine Herkunft nicht versteckt. Über den Wänden steht eine weiß gestrichene Trapezblechdecke mit Stahlträger und offener Rohrleitung, darunter drei lange Leuchtstoffbänder. Der Boden ist geschliffener Beton mit sichtbarer Dehnungsfuge. Die Bilder hängen einzeln, weit auseinander und alle auf derselben Mittelhöhe, in sehr schmalen dunklen Schattenfugenrahmen, die man nach zwei Metern Abstand nicht mehr wahrnimmt.

Gemalt sind Figuren, die zu groß für ihren Bildraum sind. Das größte Format, gut zweieinhalb Meter hoch, zeigt eine Gestalt frontal auf einem braunen Holzstuhl, der Kopf klein und rosa, zwei Zöpfe stehen waagerecht ab, das Gesicht ist auf vier Linien reduziert. Knie und Arme stoßen an die Ränder. Der Körper ist aus einzelnen breiten Pinselbahnen gebaut, jede für sich nachvollziehbar; die Borstenspur bleibt offen stehen, und am Ende der Züge sitzt die Farbe als Wulst. Hinter der Figur ein cremefarbener Grund mit senkrechten gelben Streifen, links eine hellblaue zweigriffige Amphore auf einer ockerfarbenen Konsole, oben eine dunkelblaue Kegellampe.

Um die Ecke wiederholt sich das Vokabular, und darin liegt der Witz der Ausstellung. Ein großes Querformat zeigt zwei Figuren an einem kleinen dunklen Tisch, zwischen ihnen drei Gefäße, darüber wieder eine Kegellampe, der Grund wieder gestreift, diesmal in Rot, Gelb, Grün, Blau und Violett. Daneben, deutlich kleiner, eine frontale Figur, die eine zweigriffige Amphore mit beiden Händen hält. Dieselbe Bühne, dasselbe Gefäß, dieselbe Lampe, andere Geste. Was als häusliche Szene angelegt ist, läuft als Zeremonie ab, streng symmetrisch gebaut, und die Wiederholung über drei Bilder hinweg macht aus dem Alltag ein Ritual.

Titel nenne ich keine. Der Begleittext lag zweisprachig aus und war zu lesen, die Werkliste mit ihren sechs Einträgen dagegen nicht: Auf meinen Aufnahmen sind Titel, Jahr und Maße auch vergrößert nicht zu entziffern, und Zuordnungen aus dem Gedächtnis führen in die Irre.

Eine Raumecke weiter hängt etwas, das nicht zu dieser Malerei gehört: zwei flache Profilköpfe aus gebranntem Ton, einander zugewandt, der eine mit einer goldenen Klammer im Haar, der andere mit einem echten geflochtenen Zopf, der frei an der Wand herabhängt. Von jedem Kopf führt ein textilumflochtenes Kabel in weitem Bogen hinunter in eine Steckdose knapp über dem Boden. Die Hausinstallation wird hier Teil der Komposition. Daneben eine glasierte Reliefplastik und eine gerahmte Fotografie mit einem aufgerollten gelben Schlauch vor einer Betonwand. Wer das gemacht hat, stand auf keinem Schild, das ich lesen konnte.

Aufnahmen: Florian Jäger, 13. September 2026.

Impressionen

Grace Weaver. Parataxis - 1
Grace Weaver. Parataxis - 2