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Veröffentlicht am 11. Februar 2026

Graciela Iturbide. Eyes to Fly With

von Florian Jäger

Graciela Iturbide. Eyes to Fly With

Mujer ángel, Sonora-Wüste, 1979 © Graciela Iturbide

Die erste große Retrospektive von Graciela Iturbide in Berlin zeigt etwa 250 Werke aus mehr als fünf Jahrzehnten fotografischer Arbeit. Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung einer visuellen Sprache, die dokumentarische Beobachtung mit persönlicher Reflexion verbindet.

Die Werke organisieren sich um zentrale Themen: Iturbides Fotografien der Zapotek:innen in Juchitán von Oaxaca erfassen eine gesellschaftliche Struktur, in der Frauen wirtschaftliche und öffentliche Positionen einnehmen. In den 1970er-Jahren entstandene Aufnahmen der nomadischen Seri-Gemeinschaft dokumentieren Alltagsfragmente. Das Langzeitprojekt White Fence beginnt 1986 in East Los Angeles und folgt über drei Jahrzehnte der mexikanisch-amerikanischen Cholo-Kultur.

Weitere Werkserien beschäftigen sich mit Ritual und Tod: La Matanza dokumentiert rituelle Tierschlachtungen in der Mixteca-Region. Casa Azul fotografiert persönliche Gegenstände in Frida Kahlos Haus. Seltener gezeigte Aufnahmen entstanden während Reisen nach Indien und Bangladesch.

Die Ausstellung präsentiert Vintage-Prints, Kontaktabzüge und Farbaufnahmen, wobei eine Verschiebung vom gesellschaftlich Kontextualisierten zur introspektiven Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit erkennbar wird. Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne durchzieht das Werk durchgehend.

Eine Kooperation mit dem Botanischen Garten Berlin ergänzt die Ausstellung durch Pflanzen aus Mexikos verschiedenen Biotopen.