Veröffentlicht am 1. August 2025
Guillermo Lorca. Esplendor de la Noche
von Florian Jäger

Der gotische Innenhof des Palau dels Cervelló an der Carrer de Montcada, heute Sitz des Moco Museum Barcelona. Foto: Josep Renalias, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Carrer de Montcada im Born, ein Palast aus dem 16. Jahrhundert, in dem bis ins 18. die Adelsfamilie Cervelló wohnte. Heute steht dort ein privates Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, ein paar Hausnummern neben dem Museu Picasso. Die Sammlung führt Banksy, Warhol, Basquiat, Haring, Kusama, KAWS und Murakami, dazu ein eigener Bereich für digitale und immersive Arbeiten.
Interessanter als die bekannten Namen ist eine Ausstellung, die dort seit Jahren hängt und in den Sammlungsräumen leicht untergeht: Esplendor de la Noche von Guillermo Lorca, die erste Einzelausstellung des chilenischen Malers in Europa, kuratiert von Simon de Pury. Sechs großformatige Ölbilder in zwei Sälen.
Lorca, 1984 in Santiago geboren, ging 2006 nach Norwegen und arbeitete bei Odd Nerdrum. Das sieht man den Bildern an: altmeisterliche Maltechnik, dunkle Gründe, Lasuren — und darin Motive, die damit nicht zusammengehen wollen. Kinder inmitten von Riesenkatzen und Blumen, Tiere, die schützen oder bedrohen, je nachdem wie lange man hinsieht. Zwei der Werke lassen sich über eine App um eine Augmented-Reality-Ebene erweitern.
Die Reibung zwischen der Sammlung und dieser Ausstellung ist das eigentlich Aufschlussreiche. Das Haus verkauft sich über Zugänglichkeit und erreicht nach eigenen Angaben viele Menschen, die zum ersten Mal in einem Museum sind. Lorcas Bilder brauchen genau das Gegenteil: Zeit, Abstand, ein zweites Hinsehen.