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HALLEN 07. Die Gießerei bleibt sichtbar

von Florian Jäger

HALLEN 07. Die Gießerei bleibt sichtbar

Die große Halle der Wilhelm Hallen während HALLEN 07. Foto: Florian Jäger, 11. September 2026

Freitag, 11. September 2026, Kopenhagener Straße in Reinickendorf. Die Wilhelm Hallen waren über hundertzwanzig Jahre lang eine Eisengießerei, und das sieht man ihnen an: Sheddach mit Glasbändern, Ziegelwände mit Rußrändern, gusseiserne Stützen, dazwischen die Traversen der Veranstaltungstechnik. Seit dem 5. September läuft hier HALLEN 07, ausgerichtet von Wilhelm Studios, täglich von 11 bis 20 Uhr, dienstags geschlossen, vierzehn Euro, ermäßigt sieben. Über fünfzig Künstlerinnen und Künstler auf mehr als neuntausend Quadratmetern, die Arbeiten kommen unter anderem über ChertLüdde, Esther Schipper und Nagel Draxler, dazu Leihgaben der Berlinischen Galerie, der Art Collection Telekom, der Mercedes-Benz Art Collection, des Kunstmuseums Wolfsburg und der Schirn. Am Sonntag spielen Kammerensembles des Deutschen Symphonie-Orchesters.

In der großen Halle liegt eine aufblasbare Figur in Rot, Gelb und Grau vor einer Wandmalerei in Grün, Rosa und Anthrazit, groß genug, dass Besucher davor stehenbleiben und fotografieren. An den Pfeilern hängen rote LED-Raster. Auf Paletten stapeln sich zugeschnittene Sperrholzteile, daneben stehen daraus zusammengesteckte Stühle. Auf Stativen stehen Neonzeichnungen von Häusern, blau, pink und rot; das Programm führt Christian Jankowskis Neonserie „Luftschlösser" als einen seiner Höhepunkte. In der Mitte des Gangs steht ein Tontopf, aus dem eine Pflanze wächst, deren Blätter aus Stoff, Pailletten und Kupferdraht gemacht sind, manche in Tarnmuster, eines silbern.

Die stärkste Arbeit hängt auf einer weißen Stellwand und ist schwarzweiß. Figuren in Schutzmontur stehen auf zwei gepanzerten Fahrzeugen, und was aussieht wie das Rohr einer Kanone, ist eine überdimensionale Spritze mit Kolben und Nadel. Davor stehen zwei Neonobjekte, eines pink, eines rot, deren Licht auf den Betonboden tropft. Die Halle nimmt der Zeichnung nichts, sie stellt sie nur neben alles andere.

In einem Nebentrakt mit hohen Bogenfenstern und Rundfenstern zeigt Bocci „The Overview Effect", kuratiert von Anna Carnick, zwanzig Positionen, gleiche Laufzeit. Von der Decke hängen hunderte transluzente Schlaufen an dünnen Schnüren, von innen golden beleuchtet, dicht genug, dass sie von unten wie ein Schwarm wirken und das Licht in Bahnen durch den Staub fällt. An der Stirnwand eine textile Arbeit aus Ketten, Fransen und Stäben in Grün, Rot und Sandfarben. Der Titel kommt von dem, was Astronauten beschreiben, wenn sie von außen auf die Erde sehen.

Gegen 19 Uhr füllt sich die Halle anders. Die Leute stehen mit Gläsern um eine leere graue Bühnenfläche, die bündig im Boden liegt, im Hintergrund eine Empore mit Fenstern und dahinter Büros. Später sitzen sie in Reihen an der Kante und warten, an der Wand hängt ein großes Blatt mit gezeichneten Handschellen, ineinander verhakt. Was das Festival zusammenhält, ist an diesem Abend kein Thema und keine These, sondern ein Dach.

Aufnahmen: Florian Jäger, 11. September 2026.

Impressionen

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