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KÖNIG GALERIE, St. Agnes. Der Putz arbeitet mit

von Florian Jäger

KÖNIG GALERIE, St. Agnes. Der Putz arbeitet mit

Der hohe Saal in St. Agnes, König Galerie, an der Stirnwand das breite Querformat mit pinkem Himmel. Foto: Florian Jäger, 12. September 2026

Ein pinker Himmel steht über einem gestaffelten Gebirge, davor eine grüne Ebene, ein Baum in der Mitte, ein rot belaubter am rechten Rand. Jede Bergflanke, jeder Ast, jede Wiesenfalte ist einzeln umrandet, sodass die Fläche flimmert. Das breite Querformat hängt allein an der Stirnwand eines sehr hohen Saals in St. Agnes in Kreuzberg, und zwei Besucher davor geben dem Raum seinen Maßstab. Mit dem einen Bild wirkt die Wand nicht leer, sondern ruhig. Der Saal ist das Erste, was auffällt, und das ist hier ein Lob: Er macht die Bilder stärker.

Der Saal gehört zu St. Agnes, der ehemaligen Kirche, in der die König Galerie ausstellt; im Vault desselben Hauses hängt zur gleichen Zeit Rebecca Brodskis. Die Wände sind mit grob geworfenem Putz in Sandfarbe überzogen, der das Licht stumpf zurückgibt. Oben läuft ein durchgehendes Lichtband um eine abgehängte Holzlattendecke mit aufgesetzten Strahlern. Der Boden ist geschliffener Estrich mit einer eingelassenen Bodenklappe.

An den Längswänden hängen weitere Bilder in gleicher Machart, große und kleine. Auf einem großen Querformat zieht sich ein Fluss unter gelbem Himmel in Schleifen durch das Bild, zwischen Hügeln, die wie Höhenlinien aufgebaut sind, und die Windungen sind so regelmäßig, dass der Fluss eher wie eine Rennbahn aussieht als wie Wasser. An der Wand daneben steht ein Baum in gelber Blüte vor Nachtblau, neben ihm eine blasse Mondscheibe; anderswo geht eine Wolkensäule als Strahlenbündel nach unten. Natur wird hier nicht beobachtet, sondern gebaut, aus Bändern, Ringen und Umrissen.

Dazwischen hängen Interieurs, und sie sind die besten Bilder im Saal. Auf dem einen steht eine blaue, gerippte Vase mit roten Blüten auf einem Boden in Rautenmuster, zwei rote Früchte daneben, und hinter ihr laufen dieselben Schleifenbänder wie im Flussbild, als wäre die Landschaft als Muster ins Zimmer gekommen. Auf dem anderen öffnet ein roter Vorhang den Blick durch ein Fenster auf Bäume; auf einem runden blauen Tisch stehen eine Vase mit weißen Blüten und eine Orange, eine zweite liegt draußen auf dem gestreiften Boden. Hier trifft das Verfahren auf Widerstand. Vase und Orange bleiben Dinge, während um sie herum alles zu Muster wird.

Nicht das Motiv hält die Bilder zusammen, sondern das Verfahren. Landschaft und Wohnzimmer werden gleich behandelt, beide in Linien zerlegt und wieder zusammengesetzt, beide ohne Tiefenluft. Der grobe Putz arbeitet dabei mit: Er schluckt die Reflexe, die Bilder stehen mit ihren Farben allein gegen eine matte Wand, und jedes Format wirkt größer, als es ist. Der Einwand liegt im selben Verfahren. Weil jede Linie gleich wichtig ist, findet das Auge auf den großen Landschaften kaum eine Stelle zum Ausruhen.

Zur Ausstellung selbst kann ich nichts Belastbares sagen. Im Saal hing kein Titel, neben den Bildern kein Etikett, und wer hier malt, ließ sich bisher nicht belegen. Nachgetragen wird es, sobald es gesichert ist. Bis dahin ist das eine Ausstellung, die man empfehlen kann, ohne sagen zu können, wessen.

König Galerie, St. Agnes, Alexandrinenstraße 118–121, Kreuzberg.

Aufnahmen: Florian Jäger, 12. September 2026.

Impressionen

Flusslandschaft unter gelbem Himmel und eine Reihe kleinerer Landschaften an grobem Putz, hoher Saal in St. Agnes, König Galerie
Flusslandschaft unter gelbem Himmel und eine Reihe kleinerer Landschaften an grobem Putz, hoher Saal in St. Agnes, König Galerie
Zwei Interieurs mit Vasen, rotem Vorhang und Rautenboden an der Putzwand, hoher Saal in St. Agnes, König Galerie
Zwei Interieurs mit Vasen, rotem Vorhang und Rautenboden an der Putzwand, hoher Saal in St. Agnes, König Galerie