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Neue Grünstraße. Landschaften im hohen Saal
von Florian Jäger

Der hohe Saal in der Neuen Grünstraße mit dem breiten Querformat an der Stirnwand. Foto: Florian Jäger, 12. September 2026
Samstag, 12. September 2026, Neue Grünstraße in Mitte, zehn Minuten Fußweg von St. Agnes. Das Haus war einmal ein Schalthaus der städtischen Elektrizitätswerke, ein denkmalgeschützter Bau aus den zwanziger Jahren, der heute als Ausstellungsraum genutzt wird. Der Saal ist das Erste, was auffällt, und das gilt hier als Lob. Sehr hoch, an den Wänden grob geworfener Putz in Sandfarbe, der das Licht stumpf zurückgibt, unter einer Holzlattendecke mit aufgesetzten Strahlern ein durchgehendes Lichtband. Der Boden ist geschliffener Estrich mit einer eingelassenen Bodenklappe. Zwei Besucher stehen vor der Stirnwand und geben dem Raum seinen Maßstab: Die Wand trägt ein einzelnes breites Querformat und wirkt damit nicht leer, sondern ruhig.
Gezeigt wird Malerei, und zwar sehr dichte. Auf dem Bild an der Stirnwand steht ein pinker Himmel über einem gestaffelten Gebirge, davor eine grüne Ebene mit einem Baum in der Mitte, alles in Konturlinien angelegt — jede Bergflanke, jeder Ast, jede Wiesenfalte einzeln umrandet, sodass die Fläche flimmert. An den Längswänden hängen kleinere Formate in gleicher Machart: eine Flusslandschaft, die sich unter gelbem Himmel in Schleifen durch das Bild zieht, zwischen Hügeln, die wie Höhenlinien aufgebaut sind; ein Baum in gelber Blüte vor Nachtblau mit blasser Mondscheibe; eine Wolkensäule, die als Strahlenbündel nach unten geht. Dazwischen Interieurs: ein Vorhang in Rot, ein Boden in Rautenmuster, Vasen mit weißen Blüten auf blauen Tischplatten, eine Orange daneben.
Nicht das Motiv hält die Bilder zusammen, sondern das Verfahren. Landschaft und Wohnzimmer werden gleich behandelt, beide in Linien zerlegt und wieder zusammengesetzt, beide ohne Tiefenluft. Der grobe Putz arbeitet dabei mit: Er schluckt die Reflexe, die Bilder stehen mit ihren Farben allein gegen eine matte Wand, und jedes Format wirkt größer, als es ist.
Zur Ausstellung selbst kann ich nichts Belastbares sagen. Im Saal hing kein Titel, neben den Bildern kein Etikett, und die Recherche im Programm der Woche führt zu keiner Ausstellung, die zu diesen Bildern passt. Wer hier malt, sage ich deshalb nicht — nachgetragen wird es, sobald es gesichert ist.
Aufnahmen: Florian Jäger, 12. September 2026.
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