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Lina Lapelytė. 400.000 Würfel, nie fertig

von Florian Jäger

Lina Lapelytė. 400.000 Würfel, nie fertig

Lina Lapelytė. We Make Years Out of Hours, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026 © Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Laura Fiorio

Rund 400.000 Holzwürfel liegen in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs, verteilt auf etwa 2.500 Quadratmeter, und liegen bleiben sollen sie nicht. Zwölf Performerinnen und Performer je Schicht, aus einem deutlich größeren Ensemble, stapeln sie zu Türmen, Architekturen und Hügellandschaften und schieben sie wieder um, sodass abends etwas anderes dasteht als am Morgen. Besucherinnen und Besucher greifen mit ein.

Dazu singen die Performenden Texte von fünfzehn Autorinnen und Autoren, darunter Etel Adnan, Mahmud Darwisch, Forugh Farrochzad, Khalil Gibran, June Jordan, Ocean Vuong und W. S. Merwin. Das Museum nennt Lina Lapelytės „We Make Years Out of Hours“ („Wir machen Jahre aus Stunden“) ein lebendiges Monument für Zeit, Fürsorge und Koexistenz.

Auch ohne das große Wort ist die Entscheidung klug. Eine Halle dieser Größe verführt dazu, ein einziges großes Objekt hineinzustellen. Lapelytė setzt Hunderttausende kleiner Teile dagegen, die jeder bewegen kann. Das hat allerdings einen Haken, denn wer einmal kommt, sieht nur einen Zustand.

Es ist die zweite CHANEL Commission am Hamburger Bahnhof, kuratiert von den Hausdirektoren Sam Bardaouil und Till Fellrath. Lapelytė, 1984 in Kaunas geboren, lebt in Vilnius und London. Der 1. Mai 2026 war der erste reguläre Öffnungstag nach der Eröffnung am Abend zuvor und auch der Auftakt des Gallery Weekend Berlin. Das Haus hatte bis 22 Uhr geöffnet. Außerdem liefen Shilpa Guptas „What Still Holds“ in der Kleihueshalle, Giulia Andreanis „Sabotage“, Saâdane Afifs „Five Preludes“, Petrit Halilajs „An Opera Out of Time“ in den Rieckhallen und, in ihren letzten Tagen, Annika Kahrs' „OFF SCORE“, zusammen fünf weitere Sonderausstellungen.

Auf der Ausstellungsansicht des Museums ist kein einziger Mensch zu sehen. Man erkennt Hügel und niedrige Mauern, vorn einen Würfelturm, dazwischen Tische und Bänke. Für eine Arbeit, bei der über Stunden gebaut und gesungen wird, ist das die unpassendste Ansicht, denn so, wie es dort aussieht, bleibt in der Halle nichts stehen.

Lina Lapelytė: „We Make Years Out of Hours“. Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin.