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Lustra. Der Spiegel als Versuchsaufbau

von Florian Jäger

Lustra. Der Spiegel als Versuchsaufbau

Das Centrum Nauki Kopernik am Warschauer Weichselufer, an der Mauer die Wegweiser zum Wissenschaftszentrum und zum Planetarium. Foto: Adrian Grycuk, CC BY-SA 3.0 PL, via Wikimedia Commons

Durch das Spiegellabyrinth muss man selbst laufen, und die optische Täuschung erklärt einem niemand, man stellt sie selbst her. Die Sonderausstellung „Lustra. Między iluzją a rzeczywistością“ („Spiegel. Zwischen Illusion und Wirklichkeit“) lebt davon, dass man ausprobiert und sich nichts vorführen lässt. Sie läuft im Centrum Nauki Kopernik, dem Warschauer Wissenschaftszentrum an der Weichsel. Der Besuch war an einem Sonntagnachmittag. Ein Kunstmuseum ist das Haus nicht. Man soll hier anfassen, an mehreren hundert interaktiven Exponaten, und es gibt ein Planetarium, Werkstätten und ein Hochspannungstheater.

Es geht um den Spiegel, also um Reflexion, Symmetrie, Optik und Wahrnehmung. Produziert hat die Ausstellung das Schweizer Technorama. In Warschau kamen Arbeiten des polnischen Designers und Architekten Oskar Zięta dazu, und mit ihnen ist die Grenze zur Kunst überschritten. Zięta ist bekannt für Stahlobjekte, die mit Druckluft aufgeblasen werden. Ihre polierten Oberflächen werfen die Umgebung verzerrt zurück. Das Haus beschreibt die Ausstellung ausdrücklich als Ort, an dem Wissenschaft auf Kunst trifft, und stellt Physik, Mathematik und Kunst nebeneinander.

Eingelöst wird dieser Anspruch durch die Paarung, aber auch durch den Zugang. Mit der Kunst verbindet das Experiment die Rolle, die es dem Publikum gibt. Wer mitmacht, gehört selbst zur Anordnung und schaut nicht bloß zu.

Im Kunstmuseum ist ein Spiegel Material oder Metapher. In Warschau ist er ein Versuchsaufbau, durch den man hindurchgeht, statt davorzustehen.

„Lustra. Między iluzją a rzeczywistością“, Centrum Nauki Kopernik, Warschau.

Foto: Adrian Grycuk, CC BY-SA 3.0 PL, via Wikimedia Commons.