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Museu Picasso. Anfänge statt Greatest Hits

von Florian Jäger

Museu Picasso. Anfänge statt Greatest Hits

Zwei anthropomorphe Krüge in der Keramikvitrine des Museu Picasso an der Carrer de Montcada. Foto: Florian Jäger, 1. August 2025

Zwei Krüge in einer Vitrine, beide zu Körpern geworden. Auf dem linken ziehen sich zwei lang gestreckte, helle Frauenfiguren mit schwarzen Umrissen über den dunklen Grund. Ihre Köpfe sitzen gleich unter dem Rand, ihre Leiber runden sich dort, wo der Krug am weitesten ist. Der rechte ist grau grundiert. Oben sitzt ein Gesicht in einer Raute mit Strahlen, gefasst in ein Medaillon, darunter folgen Brüste, ein Punkt als Nabel und ein Leib, seitlich grüne Flecken wie Blätter. Picasso nimmt die Form des Gefäßes und liest sie als Figur. Ganz Skulptur werden die Krüge dabei nie, obwohl sie keine richtigen Gebrauchsformen mehr sind, und der Henkel bleibt ein Henkel.

Die Vitrine steht im Museu Picasso an der Carrer de Montcada, in derselben schmalen Gasse wie das Moco. Wer hier die berühmten Bilder erwartet, ist im falschen Haus. Der Schwerpunkt liegt auf den Anfängen, die meisten Gemälde stammen aus den Jahren zwischen 1890 und 1917, dazu kommt die Blaue Periode. Es ist ein Museum über das Werden und nicht über den Weltruhm. Das macht es interessanter als die Greatest-Hits-Häuser, denn man sieht hier einen Maler, der noch unterwegs ist.

Das Museum sitzt in fünf aneinandergebauten gotischen Palästen und öffnete am 9. März 1963. Die Initiative kam von Jaume Sabartés, Picassos Jugendfreund und späterem Sekretär, der die Sammlung eigentlich in Málaga sehen wollte. Picasso bestand auf Barcelona. Nach Sabartés' Tod 1968 kamen die 58 Arbeiten der Meninas-Serie von 1957 ins Haus. Sie sind der große Ausreißer, hier dekliniert der alte Picasso Velázquez durch.

Der zweite Ausreißer ist die Vitrine im Erdgeschoss. 41 Keramiken, alles Unikate, schenkte Jacqueline Roque 1982 der Stadt. Picasso hatte sie ihr über zwei Jahrzehnte hinweg gegeben. Entstanden sind sie in der Töpferei Madoura im südfranzösischen Vallauris, wo er ab 1947 auf Einladung von Suzanne und Georges Ramié arbeitete. Die Schenkung kam überraschend. Angekündigt wurde sie bei der Eröffnung einer Keramikausstellung, für die Jacqueline die Stücke nur als Leihgaben zugesagt hatte.

Im Obergeschoss lief zu der Zeit „Créixer entre dos artistes“ („Aufwachsen zwischen zwei Künstlern“), eine Hommage an Claude Picasso, angestoßen von Paloma Picasso. Mit Fotografien, Spielzeug, Keramik und Alltagsgegenständen erzählte sie die Kindheit der beiden Geschwister bei Pablo Picasso und Françoise Gilot in Vallauris. Zum ersten Mal in Spanien bekam Gilots eigene Malerei einen großen Raum.

Die Vitrine unten und die Ausstellung darüber führen an denselben Ort, in dasselbe Haus in Vallauris. So endet ein Museum der Anfänge bei zwei Krügen und zwei Kindern.

Museu Picasso, Carrer de Montcada, Barcelona. „Créixer entre dos artistes“ war dort vom 25. Juli bis 26. Oktober 2025 zu sehen.

Aufnahme: Florian Jäger, 1. August 2025.