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Paweł Książek. Rhizome

von Florian Jäger

Paweł Książek. Rhizome

Paweł Książek, „Rhizome“, bei Persons Projects. Foto: Florian Jäger, 13. September 2026

Sonntag, 13. September 2026, Lindenstraße 35. Bei Persons Projects hängt seit dem 11. September „Rhizome“ von Paweł Książek, bis zum 31. Oktober. Laut Pressetext, der am Tresen auslag, sind es Schwarz-Weiß-Zeichnungen aus der Serie „Narrations“ in Graphit, Kohle und Aquarell, dazu eine Auswahl neuer Gemälde. Der Begriff stammt von Gilles Deleuze und Félix Guattari, die ihn gegen die Hierarchie des Baums gesetzt haben: ein Wurzelgeflecht, das in alle Richtungen wächst, ohne Anfang und ohne Endpunkt.

Der Raum ist ein weißer Kubus mit rohem, unversiegeltem Betonboden, weiß gestrichenen Unterzügen und zwei abgependelten Leuchtstoffröhren als einziger Beleuchtung. Kein Tageslicht. Eine vorgesetzte Stellwand bricht den Blick, sodass man die erste Wand nie vollständig sieht.

Auf dieser ersten Wand hängt dasselbe Motiv dreimal, in drei Maßstäben und drei Techniken. Ein großes Gemälde zeigt ein Auge in extremer Nahsicht, Wimpern als dunkle Striche, fast monochrom in Violett und Graubraun. Daneben, klein und in schmalem weißem Rahmen, dieselbe Augenpartie als Graphitzeichnung mit einer handschriftlichen Zeile darunter, die man nicht entziffern kann. Dann, noch kleiner, ein Gesichtsfragment in durchgehendem Karmin, die Konturen verschwommen. Hinter der Stellwand eine weitere Zeichnung: zwei frontale Augen, eulenhaft, darunter ein Textblock, ebenfalls unlesbar.

Die zweite Wand arbeitet im Takt: Großformat, Zeichnungspaar, Großformat, zwei Kleinformate. Links strömt eine Haar- oder Gewebeform durchs Bild, tiefes Rot am unteren Rand. In der Mitte hängen zwei fast quadratische Zeichnungen mit nur einer Handbreit Abstand, dichte wellenförmige Texturen, Wasser oder Sand. Rechts ein nach vorn gebeugter nackter Rücken, die Hände im herabfallenden Haar, das unten in eine dunkle Wasserfläche übergeht. Zuletzt zwei kleine Gemälde: eine Flamme über einem Objekt, das wie ein Räuchergefäß aussieht, daneben eine weiße Kerze. Sie hängen versetzt; die Mittelachse gilt hier nicht.

Was die Motive verbindet, ist kein Thema, sondern ein Verhalten der Form. Haar, Flamme, Wasser und Spiegelung widersetzen sich alle einer festen Kontur; sie werden durch Bewegung und Licht definiert, nicht durch Umriss. Genau deshalb hängen Haar und Flamme im selben Blickfeld, und deshalb funktioniert der Rhizom-Titel nicht als Behauptung, sondern als Anweisung an das Auge: Man geht nicht von links nach rechts durch eine Geschichte, sondern springt zwischen Verwandtschaften.

Dazu passt, dass an keiner Wand ein Werkschild hängt. Kein Titel, keine Jahreszahl, keine Technik, nichts. Gut zwei Drittel der Wandfläche bleiben leer. Wer wissen will, was er sieht, muss zum Tresen gehen und den Pressetext lesen — oder es lassen und den Bildern zusehen, wie sie sich aufeinander beziehen.

Aufnahmen: Florian Jäger, 13. September 2026.

Impressionen

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