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Rebecca Brodskis. The Last Ones Awake
von Florian Jäger

Rebecca Brodskis, „The Last Ones Awake", im Vault von St. Agnes. Foto: Florian Jäger, 12. September 2026
Samstag, 12. September 2026, St. Agnes in Kreuzberg. Die ehemalige Kirche aus den sechziger Jahren wird seit Mai 2015 von der König Galerie bespielt, und im Vault, dem niedrigen Raum mit den Betonstützen mitten im Grundriss, hängt seit dem 9. September „The Last Ones Awake" von Rebecca Brodskis. Eröffnet wurde am 8. September zur Berlin Art Week, mit einer Performance der Tänzerin Aurora. Bis zum 8. November.
Weiße Wände, Sichtbeton an Stützen und Decke, Schienenstrahler, geschliffener Boden. An der langen Wand hängen drei Bilder nebeneinander, an der Stirnwand ein viertes: Köpfe, drei oder vier pro Leinwand, ineinandergeschoben wie Karten, die jemand auffächert. Die Haare sind schwarze Flächen ohne Zeichnung, die Kleidung Orange und Gelb, der Hintergrund Türkis oder Rot. Auf einem weiteren Bild sitzen zwei Figuren vor einem rot-orangen Grund, beide mit rosa Haarkranz, eine Hand liegt am Kinn der anderen. Eine Frau in gelber Robe steht vor einer hellen Scheibe und grünen Blättern, hinter ihrer Schulter ein zweites Gesicht, das nur halb zu sehen ist. An der Wand dahinter hängen zwei Bilder, auf denen sich Figuren in blauen Badeanzügen übereinanderschichten wie Schwimmerinnen am Beckenrand, Hände auf fremden Schultern, Köpfe an fremden Hälsen; an der Schmalseite daneben zwei kleine Tafeln mit einzelnen Gesichtern.
Brodskis, 1988 in Frankreich geboren, hat an den Beaux-Arts de Paris und am Central Saint Martins in London studiert und 2010 abgeschlossen; sie lebt und arbeitet in Paris. Gemalt sind enge Freundinnen und Freunde aus ihren Berliner Jahren. Die Galerie beschreibt die Serie als Porträt einer Stadt, erinnert durch die Leute, mit denen man sie geteilt hat, und jedes einzelne Bild eher als Bruchstück einer gemeinsamen Erinnerung denn als Abbild einer Person.
Das Auffällige ist, wohin die Figuren sehen. Auf keiner Leinwand ist jemand allein, die Köpfe berühren einander fast, aber kein Blick trifft einen anderen. Die eine sieht nach oben aus dem Bild, die zweite nach rechts an der ersten vorbei, die dritte hat die Augen halb geschlossen. Auch den Betrachter fixiert kaum jemand. Die Gruppe hält im Bildaufbau zusammen und sonst nirgends, und genau das ist der Grund, warum die Serie als Erinnerung funktioniert und nicht als Freundschaftsbild.
Der Raum hilft dabei. Die Stützen stehen so, dass man nie alle Bilder auf einmal sieht, sondern immer eines verdeckt, wenn man vor einem anderen steht.
Einen Raum weiter, hinter einem Vorhang aus goldenen Stäben, stehen in einem abgedunkelten Kabinett schwarz glänzende Figuren nach ägyptischem Vorbild, eine davon mit Schakalkopf, Stab und Anch in den Händen. Das ist eine eigene Ausstellung im selben Haus; wer sie bestreitet, stand auf keinem Schild, das ich mitgenommen habe.
Aufnahmen: Florian Jäger, 12. September 2026.
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